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Der
Kleintierzuchtverein
In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, als die Wirtschaft nur schwer wieder in Gang
kam, lebte die Bevölkerung fast ausschließlich von den Erzeugnissen der
eigenen Landwirtschaft und der Viehzucht. Fast auf jedem Neutharder Hof waren ein oder
zwei Schweine oder Rinder sowie Kleintiere wie Hühner, Gänse, Enten, Tauben
oder auch Kaninchen zu finden. Wer nichts hatte, war noch ärmer dran. Besonders
in den harten Wintern war die Not am größten, und nicht selten kam es deshalb
zu Diebstählen größerer Tiere.
Von solchen berichtet Pfarrer Lang in seiner Chronik.
So wurde 1922 aus dem Stall des Ratsschreibers Hermann Schäfer ein Kalb geholt,
auf offenem Feld geschlachtet und weggeschafft, ein fettes Schwein wurde aus anderen
Ställen gestohlen.
Die eigene Kleintierhaltung war nicht nur eine wichtige Lebensader, sondern auch eine
wichtige Einnahmequelle für die Neutharder. Es war im Nachhinein betrachtet mehr
eine wirtschaftliche Notwendigkeit als die reine Freude darüber, mit Gleichgesinnten
Spaß am gemeinsamen Interesse für Kleintiere zu finden.
Sieben Neutharder Männer - Wilhelm Heneka, Max
Baumgärtner, Max Holzer, Konrad Bohn, Markus Kistner, Albert Holzer und Hermann
Storck - taten sich 1922 zusammen und gründeten den Kaninchen- und Geflügelzuchtverein.
Die Mitglieder des Vereins waren alle verpflichtet,
Kleintiere zu halten, und sie befassten sich mit der Aufzucht von Kleintieren und bildeten
sich in der gesunden Tierhaltung fort. Unmittelbar nach der Vereinsgründung schlossen
sich den Kleintierzüchtern auch Karl Münch, Adam Reger und Theodor Bohn an.
In den dreißiger Jahren bewegte sich die Mitgliederzahl
zwischen 20 und 30. Um sich wenigstens die notwendigen Ausstellungskäfige besorgen
zu können, blieb der Vereinsführung nichts anderes übrig, als eine Anleihe
aufzunehmen.
Keine Aufzeichnungen im Protokollbuch des Vereins
finden sich für die Jahre 1939 bis 1945. Nach Kriegsende wurde er am 9. Februar
1946 wieder ins Leben gerufen. Zum Vorsitzenden wurde Karl Münch gewählt,
der auch vor Kriegsausbruch den Verein geführt hatte. Die erste Ausstellung des
Neubeginns fand im Gasthaus "Ritter" statt. Im selben Jahr fand in Philippsburg
die erste Kreisausstellung für Kaninchen und Geflügel statt. Inzwischen lag
die Vereinsführung in den Händen von Franz Kistner.
An Intensität gewann das Vereinsleben mit dem Aufblühen der Wirtschaft. Die
Kleintierzüchter zogen immer größere und interessantere Ausstellungen
auf, die auf lokaler sowie auf Kreisebene regelmäßig stattfanden. Traditionen
wie Hasenessen, Familienfeier oder Vereinsausflüge werden auch heute noch gepflegt.
1951 übernahm Theo Baumgärtner das Vereinsschiff
und gab dem Verein weiteren Auftrieb. Da mit dem Futter aus der eigenen Landwirtschaft
auf Ausstellungen keine Preise mehr zu erringen waren, investierten die Kleintierzüchter
in eine vereinseigene Futterstelle. Noch im selben Jahr beteiligten sich die ersten
Neutharder Züchter auf einer Landesausstellung. Meistertitel blieben zwar noch
aus, aber einzelne Erfolge zeichneten sich schon ab. Innerorts konnte man bei Sommerfesten
auf die Unterstützung anderer Dorfvereine zählen. So auch beim 30-jährigen
Stiftungsfest, das als ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte bezeichnet wird.
Um den Verein noch attraktiver zu gestalten, gründete
man 1956 eine Vogelabteilung. Als erste Aktion wurde mit Genehmigung des Forstamts
im "Pfinzgau" ein Vogelschutzgebiet angelegt. Die erste große Vogelschau
im Januar 1957 fand einen über die Gemeindegrenzen hinausgehenden derartigen guten
Zuspruch, dass die Vereinsverwaltung sie spontan um einen Tag verlängerte. So
positiv das war, so unerfreulich hatte sich der Verein nach dieser Ausstellung mit
inneren Spannungen auseinanderzusetzen, die in einer folgenden Verwaltungssitzung nicht
überwunden werden konnten. Vogelfreunde sagten sich vom Verein los und schlossen
sich zum Vogelschutz- und Zuchtverein zusammen. Das führte dazu, dass die sehr
geschwächte Vogelabteilung, die auf Vogelzucht ausgerichtet war, sich im Laufe
der Zeit auflöste. Doch die Züchter ließen sich dadurch nicht lähmen
und sahen weiter voraus. Sie gründeten 1961 eine Jugendgruppe, die im züchterischen
Bereich den Senioren nicht viel nachstand und recht rege und erfolgreich an überörtlichen
Ausstellungen teilnahm.
Ein angestrebtes Ziel des Vereins war der Bau eines
Vereinsheimes, das sich im Juli 1964 auf dem "Bruchbühl" erfüllte.
Vor weiteren großen Aufgaben stand der Verein 1967, als beengte Platzverhältnisse
in den Gasthäusern nach neuen Ideen für Ausstellungen fragten. Als Lösung
drängte sich der Bau einer Austellungshalle auf, der aber den finanziellen Rahmen
des Vereins sprengte. Mit Unterstützung aus der Gemeindekasse wurde das Vorhaben
1971 realisiert, und der Verein konnte nun selbst Kreis- und Klubschauen durchführen.
1968 traten die Frauen der Züchter hevor und gründeten eine eigene Gruppe.
Die Frauen machten es sich zur Aufgabe, die Winterfelle der Kaninchen weiterzuverarbeiten
und stellten Felljacken her - recht vorzeigbare Arbeiten, da sie 1987 bei der Bundesschau
in Stuttgart mit dem Bundessieg ausgezeichnet wurden.
Weitere herausragende Erfolge mit zwei Europameistertiteln
brachte Karl Wickenhäuser in den achtziger Jahren mit nach Neuthard. Drei deutsche
Meister stellte der Verein im Jahre 2004 bei der Bundeskaninchenschau in Stuttgart.
Ein neues Züchterheim schuf man sich 1988 mit
der Übernahme des alten Fußballerheims. Mitte der neunziger Jahre bauten
sich die Züchter noch eine Zuchtanlage. Heute hat der Verein, wie so viele andere
auch, Probleme mit dem Nachwuchs, welche die Lücke schließen sollen,Von
den 72 Mitgliedern züchten und stellen nicht mal mehr 10 Züchter aus. Auch
die Jugendgruppe besteht fast nur noch auf dem Papier. Eine einzige Jugendausstellerin
hat in 2009 Kanichen, allerdings sehr erfolgreich ausgestellt.
Die Vorsitzenden seit der Wiedergründung
1946:
Karl Münch (1946-1948)
Franz Kistner (1948-1951)
Theo Baumgärtner (1951-1967)
Adam Brunner (1967-1974)
Gerhard Kempermann (1974-1975)
Otto Wachter (1975-1981)
Raimund Habitzreither (1981-1983)
Helmut Kempermann (1984-1985)
Raimund Habitzreither (1986-1999)
Wigbert Bohn (2000)
Bruno Faller (2001 bis heute)
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